Selbsthilfegruppen zum Rauchstopp: helfen sie wirklich?
Strukturierte Unterstützung gehört zu den am besten belegten Bausteinen beim Rauchstopp. Aber Unterstützung ist nicht gleich Unterstützung – für manche Formen gibt es starke Belege aus Studien, andere wurden kaum untersucht.
Was die Belege über Unterstützung sagen
Die Cochrane Collaboration hat Unterstützung beim Rauchstopp in mehreren Formen untersucht. Die wichtigsten Ergebnisse:
Einzelberatung (unter vier Augen mit einer geschulten Beraterin oder einem geschulten Berater): erhöhte die Erfolgsquote gegenüber minimalem Kontakt (RR 1,57), wenn keine Medikamente genutzt wurden – etwa 57 % mehr Menschen hörten auf –, und brachte zusätzlich zu NET noch einen kleineren Gewinn (RR 1,24). Intensivere Beratung schnitt etwas besser ab als Kurzberatung (RR 1,29).
Gruppenprogramme: schnitten besser ab als Selbsthilfematerial (RR 1,88) und Kurzberatung (RR 1,22), aber es wurde nicht gezeigt, dass sie Einzelberatung ähnlicher Intensität übertreffen. Gruppen und Einzelberatung wirken etwa gleich gut – wähl das, wo du wirklich hingehst.
Telefonberatung: Proaktive Beratungsanrufe erhöhten die Erfolgsquote bei Menschen, die eine Rauchstopp-Hotline anriefen (RR 1,38), verglichen mit Selbsthilfematerial oder einem einzelnen Anruf, und halfen auch in anderen Zusammenhängen (RR 1,25). Man muss nirgendwo hinfahren, und sie sind meist kostenlos.
Freunde und Familie: Für viele hilfreich, aber etwas, das Studien schlecht messen. Der NHS empfiehlt einen Rauchstopp-Buddy und die Bitte an andere, dich abzulenken.
Online-Communitys: Kaum Belege aus Studien, weder dafür noch dagegen. Manche finden sie zu ungewöhnlichen Uhrzeiten hilfreich.
Welche Unterstützung es gibt
NHS Stop Smoking Services (Großbritannien)
Kostenlose Unterstützung in ganz Großbritannien: Einzel- oder Gruppensitzungen mit einer geschulten Beratungsperson, Medikamente zur Rauchentwöhnung und ein Kohlenmonoxid-Atemtest bei den Terminen. Laut NHS kann ein Gespräch mit einer Fachkraft dir helfen, das richtige Produkt zur Rauchentwöhnung zu wählen; angeboten wird NET auf Rezept zusammen mit Verhaltensberatung.
Warum es hilft: Es verbindet die beiden Dinge mit den stärksten Belegen – Medikamente und Beratung. Wer ohne Hilfe aufhört, bleibt pro Versuch nur in 3–5 % der Fälle 6 bis 12 Monate rauchfrei.
So kommst du hin: Über eine Überweisung vom Hausarzt oder direkt selbst unter nhs.uk/live-well/quit-smoking/nhs-stop-smoking-services-help-you-quit/
An genau diese Services verweist die jährliche Kampagne im Oktober – gut zu wissen, wenn du abwägst, ob eine nationale Kampagne für sich allein etwas bringt. Funktioniert Stoptober? zeigt, was die veröffentlichten Auswertungen gemessen haben und was nicht.
Telefonberatung
Deutschland: die kostenlose Telefonberatung zur Rauchentwöhnung des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), 0800 8 31 31 31 (Mo–Do 10–22 Uhr, Fr–So 10–18 Uhr) Großbritannien: 0300 123 1044 (NHS Smokefree) Australien: 13 QUIT (13 78 48) Kanada: je nach Provinz verschieden
Im Cochrane-Review schnitten mehrere proaktive Anrufe besser ab als Selbsthilfematerial oder ein einzelner Anruf. Der Review fand keine klaren Belege, dass noch mehr Anrufe noch mehr brachten.
Gruppenprogramme zum Rauchstopp
Gruppenprogramme vor Ort bringen Menschen in ähnlichen Phasen des Aufhörens zusammen, um Verhaltensstrategien zu üben. Das soziale Lernen – zu sehen, wie andere durch den Entzug kommen und es schaffen – ist ein unterschätzter Wirkmechanismus.
Gruppenprogramme bestehen meist aus einigen wöchentlichen Sitzungen rund um deinen Rauchstopp-Tag. Angeboten werden sie über:
- NHS Stop Smoking Services
- Manche Krankenhäuser und Hausarztpraxen
- BUPA und private Gesundheitsanbieter
- Manche Arbeitgeber im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung
Online-Communitys
Reddits r/stopsmoking ist ein großes, aktives Forum. Wenn du während eines Verlangens etwas posten kannst und schnell eine Antwort von Menschen bekommst, die das verstehen, kann das helfen.
Smokefree.gov (USA) und NHS Smokefree (Großbritannien) haben beide Online-Community-Bereiche.
Die Belege aus Studien zu Online-Communitys sind dünn, sieh sie also als Ergänzung.
Rauchstopp-Apps mit sozialen Funktionen
Mehrere Apps zum Rauchstopp haben soziale Funktionen. Der Cochrane-Review fand bisher keine Belege, dass Apps die Erfolgsquote erhöhen, automatisierte SMS-Programme dagegen schon. Apps sind rund um die Uhr verfügbar und können andere Unterstützung ergänzen.
Welche Unterstützung du wählen solltest
Am besten belegt: Professionelle Beratung (einzeln oder in der Gruppe) + Medikamente. Wenn das verfügbar und erreichbar ist, ist es die erste Empfehlung.
Zweite Stufe: Telefonberatung + NET. Breit verfügbar, in den meisten Ländern kostenlos und gut belegt.
Ergänzung: Online-Communitys, Apps, eine Person, der du Rechenschaft gibst. Das wirkt am besten als Zusatz zur fachlichen Unterstützung, nicht als Ersatz.
In den Cochrane-Reviews schnitten Gruppen- und Einzelberatung ähnlicher Intensität etwa gleich gut ab, und intensivere Einzelberatung etwas besser als Kurzberatung. Wähl also eine Form, bei der du wirklich dabeibleibst, und geh zu den Sitzungen.
Dein eigenes Unterstützungsnetz aufbauen
Formale Programme wirken am besten, aber das informelle Netz zählt auch:
- Sag anderen, dass du aufhörst – konkret, nicht vage. „Ich habe am [Datum] mit dem Rauchen aufgehört“, nicht „Ich versuche aufzuhören“.
- Bitte gezielt um das, was du brauchst – nicht „unterstütz mich“, sondern „bitte rauch im nächsten Monat nicht in meiner Nähe“ oder „bitte frag mich jede Woche, wie es mit dem Rauchstopp läuft“.
- Such dir mindestens eine Person, mit der du dich in der ersten Woche täglich austauschst – das geht auch per Nachricht.
- Verbring weniger Zeit mit Menschen, die den Rauchstopp aktiv untergraben – Witze über Willenskraft, Zigaretten anbieten, die Mühe kleinreden.
Häufig gestellte Fragen
Helfen Selbsthilfegruppen beim Rauchstopp?
Ja. Im Cochrane-Review schnitten Gruppenprogramme besser ab als Selbsthilfematerial (RR 1,88) und Kurzberatung und etwa so gut wie Einzelberatung ähnlicher Intensität.
Welche Unterstützung hilft beim Rauchstopp am meisten?
Die Kombination aus professioneller Beratung (einzeln oder in der Gruppe) und Medikamenten (Vareniclin oder kombinierte NET) bietet die besten Chancen: Im Cochrane-Review erhöhte Beratung die Erfolgsquote auch dann noch, wenn alle schon NET nutzten (RR 1,24). Jeder Baustein allein ist besser als nichts; zusammen ist es noch besser.
Sind Online-Communitys zum Rauchstopp hilfreich?
Es gibt kaum Belege aus Studien, weder dafür noch dagegen. Viele finden sie nützlich, besonders zu Zeiten, in denen formale Angebote geschlossen sind – nutze sie zusätzlich zu Medikamenten und Beratung, nicht statt ihrer.
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