Dampfen und Angst: Warum Nikotin sie schlimmer macht
Du nimmst einen Zug von deiner E-Zigarette, wenn du gestresst bist, und innerhalb von Sekunden fühlst du dich ruhiger. Dieses Erlebnis ist echt. Ein Teil dessen, was der Zug lindert, ist allerdings der Entzug, der sich seit dem letzten Zug aufgebaut hat.
Das ist das zentrale Paradox von Nikotin und Angst, und es zu verstehen, gehört zum Wichtigsten, was du tun kannst, wenn du aufhören willst.
Der Kreislauf aus Entzug und Erleichterung
So lässt dich Nikotin glauben, es helfe gegen deine Angst:
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Du inhalierst Nikotin. Es setzt Dopamin und Noradrenalin frei und erzeugt ein kurzes Gefühl ruhiger Konzentration. Nikotin aktiviert außerdem GABA-Bahnen, die auf neuronale Schaltkreise hemmend (beruhigend) wirken.
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Das Nikotin wird abgebaut. Die Halbwertszeit von Nikotin beträgt etwa 2 Stunden. Wenn der Spiegel im Blut sinkt, gerät dein Gehirn – das sich an die Anwesenheit von Nikotin angepasst hat – in einen Zustand relativen Mangels. Das löst einen leichten Entzug aus: Unruhe, Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme und Angst.
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Du dampfst wieder. Die Entzugserscheinungen verschwinden. Du erlebst das als „Stressabbau“.
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Wiederholung, hunderte Male am Tag.
Der Gedanke hinter diesem Kreislauf: Ein Teil der Angst, die eine E-Zigarette lindert, ist Angst, die die letzte E-Zigarette erst erzeugt hat. Menschen, die kein Nikotin konsumieren, durchlaufen Schritt 2 überhaupt nicht.
Die meisten direkten Belege stammen von Rauchern, weil Dampfer noch nicht auf diese Weise untersucht wurden. In einer Studie mit 491 Rauchern in Rauchstopp-Kliniken des NHS berichteten diejenigen, die sechs Monate rauchfrei blieben, von einem deutlichen Rückgang der Angst, während diejenigen, die wieder anfingen, einen leichten Anstieg angaben. Die Autoren folgerten, dass die Daten „der Annahme widersprechen, Rauchen baue Stress ab“. Nikotin und Entzugskreislauf sind dieselben, ob das Nikotin aus einer Zigarette oder einer E-Zigarette kommt, daher ist ein ähnliches Muster zu erwarten – siehe Rauchstopp und Angst –, gemessen wurde das bei Dampfern aber noch nicht.
Was Nikotin mit deiner Stressreaktion macht
Rezeptoren, die Nikotin erwarten
Regelmäßiger Nikotinkonsum erhöht die Zahl der nikotinischen Acetylcholinrezeptoren im Gehirn, besonders vom Typ Alpha-4-Beta-2. Das Gehirn passt sich daran an, mit Nikotin zu arbeiten, und wenn der Spiegel sinkt, zeigt sich dieser angepasste Zustand als Unruhe, Reizbarkeit und Angst – die klassischen Entzugserscheinungen. Mehr dazu unter Nikotinentzug und Gehirnchemie.
Das Stresssystem des Körpers
Nikotin wirkt auch auf das Stresshormonsystem des Körpers, die HPA-Achse. Die Forschung dazu ist uneinheitlich und betrifft vor allem Raucher: Manche Studien finden, dass die Cortisolreaktion von Rauchern auf eine stressige Aufgabe im Vergleich zu Nichtrauchern abgeschwächt ist und dass der Entzug sie wieder verändert. Was das dafür bedeutet, wie ängstlich du dich fühlst, ist nicht geklärt, deshalb behaupten wir nicht mehr als das.
Stärkere Produkte
Hochdosierte Nikotinsalz-Liquids liefern viel Nikotin in kurzer Zeit. In Großbritannien und der EU sind Liquids auf 20 mg/mL begrenzt; in den USA werden Produkte mit 50 mg/mL verkauft. Mehr Nikotin bedeutet eine stärkere Abhängigkeit, was beim Aufhören wahrscheinlich einen stärkeren Entzug bedeutet – einschließlich Angst.
Dampfen, Angst und junge Menschen
Umfragen unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen finden immer wieder, dass Dampfen und Angst oder Depression zusammen auftreten. Was sie nicht zeigen können, ist, was zuerst kommt: Nikotin kann die Stimmung verschlechtern, und junge Menschen, die schon ängstlich sind, fangen womöglich eher mit dem Dampfen an. Die CDC warnt, dass Nikotin die Entwicklung des Gehirns schädigen kann, die bis etwa zum Alter von 25 Jahren andauert.
Was mit der Angst passiert, wenn du aufhörst
Die ersten Tage
Die Angst steigt oft zunächst an. Der NHS zählt Ängstlichkeit, Reizbarkeit und Unruhe zu den Entzugserscheinungen und sagt, sie seien meist in der ersten Woche am stärksten, besonders in den ersten 3 Tagen. In dieser Zeit schließen viele, sie „bräuchten“ Nikotin, um ruhig zu bleiben. Wer weiß, dass dieser Anstieg zu erwarten ist, kann ihn leichter aussitzen. Mehr dazu im Zeitstrahl der Entzugserscheinungen beim Dampfen.
Die Wochen danach
Laut NHS halten Entzugserscheinungen im Schnitt drei bis vier Wochen an, und manche spüren sie ein paar Monate lang. Rechne mit guten und schlechten Stunden; die Richtung zeigt insgesamt nach unten, aber nicht in einer geraden Linie.
Monate später
Im Cochrane-Review von 102 Studien hatten Menschen, die mit dem Rauchen aufgehört hatten, danach weniger Angst, Depression und Stress als Menschen, die weiterrauchten. Das Review bewertete die Evidenz zur Angst als wenig gesichert, weil es sich um Beobachtungsstudien handelt, und es geht um Raucher, nicht um Dampfer. Seine Kernaussage zählt trotzdem für alle, die mit Nikotin aufhören: Das Aufhören machte die Menschen auf lange Sicht nicht ängstlicher.
Praktische Strategien gegen Angst beim Aufhören
Die Wissenschaft zu kennen, macht die ersten zwei Wochen nicht schmerzfrei. Unser Ratgeber So hörst du mit dem Dampfen auf beschreibt den praktischen Plan. Für die ängstlichen Momente:
Beweg dich
In einem Review von 14 Studien verringerte eine einzelne Bewegungseinheit Verlangen und Entzugserscheinungen, einschließlich Anspannung und Angst, während der Bewegung und bis zu 50 Minuten danach. Die Einheiten waren klein – ein Spaziergang zählt.
Atme langsam
Der NHS schlägt vor, 4 Sekunden durch die Nase einzuatmen, 5 Sekunden die Luft anzuhalten und 6 Sekunden durch den Mund auszuatmen. So hast du etwas zu tun, während das Gefühl vorbeigeht. Dass sich Dampfen beruhigend anfühlt, liegt vielleicht zum Teil am langsamen, tiefen Atemzug selbst; ein langsamer Atemzug ohne E-Zigarette behält diesen Teil.
Benenne es
Wenn die Angst nach dem Aufhören hochschießt, lautet der erste Gedanke oft: „Ich muss dampfen.“ Sich zu sagen „Das ist Entzug, und er geht vorbei“ stoppt das Gefühl nicht, kann ihm aber die Dringlichkeit nehmen, danach zu handeln.
Hol dir Unterstützung
Wenn du eine Angststörung hast oder Medikamente für deine psychische Gesundheit nimmst, sprich vor dem Aufhören mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt. Der Entzug kann die Angst eine Zeit lang verschlimmern, und ein Rauchstopp kann den Spiegel mancher Medikamente im Blut verändern, etwa von Clozapin und Olanzapin, sodass die Dosis eventuell überprüft werden muss. Kostenlose Rauchstopp-Angebote vor Ort und deine Hausarztpraxis können helfen. Wenn du das Gefühl hast, nicht mehr zurechtzukommen, oder dich nicht sicher fühlst, hol dir sofort Hilfe – in Großbritannien unter 111 oder bei den Samaritans unter 116 123; in Deutschland erreichst du die TelefonSeelsorge kostenfrei und rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, im Notfall die 112.
Häufig gestellte Fragen
Verursacht Dampfen Angst oder verstärkt es nur bestehende Angst?
Studien zeigen, dass Dampfen und Angst zusammen auftreten, können aber noch nicht sagen, was zuerst kommt. Klar ist: Die Nikotinabhängigkeit fügt zwischen den Dosen entzugsbedingte Angst hinzu, und bei Rauchern folgt auf das Aufhören weniger Angst, nicht mehr.
Wie lange dauert die Angst nach dem Aufhören mit dem Dampfen?
Laut NHS sind Entzugserscheinungen, einschließlich Angst, meist in der ersten Woche am stärksten, besonders in den ersten 3 Tagen, und halten im Schnitt drei bis vier Wochen an, manchmal ein paar Monate. Wie es bei dir verläuft, hängt davon ab, wie viel du gedampft hast und wie es vor dem Aufhören um deine psychische Gesundheit stand.
Kann Dampfen Panikattacken auslösen?
Nikotin erhöht Herzfrequenz und Blutdruck, was sich bei Menschen, die zu Panikattacken neigen, wie der Beginn einer Attacke anfühlen kann, und der Entzug kann die Angst steigern. Wenn du Panikattacken hast, sprich mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt darüber, wie du sicher aufhörst. Bei Schmerzen in der Brust oder Atemnot hol dir dringend ärztliche Hilfe.
Sollte ich NET nutzen, um die Angst beim Aufhören mit dem Dampfen in den Griff zu bekommen?
Die Nikotinersatztherapie (NET) – Pflaster, Kaugummi, Lutschtabletten – gibt dir eine gleichmäßige, niedrigere Nikotindosis, die Entzugserscheinungen einschließlich Angst lindern kann. Laut NHS kann ein Nikotinersatzprodukt manchen Menschen helfen, die Entzugserscheinungen beim Aufhören mit dem Dampfen zu bewältigen. In der Apotheke oder bei einem Rauchstopp-Angebot kann man dich zu Produkt und Dosis beraten, besonders wenn du schwanger bist oder eine Herzerkrankung hast.
Wird meine Angst nach dem Aufhören wieder normal?
Bei den meisten Menschen deutet die Evidenz darauf hin. Bei Rauchern berichten diejenigen, die rauchfrei bleiben, Monate später von weniger Angst als diejenigen, die weiterrauchen. Dampfer wurden noch nicht so genau untersucht.
Was du als Nächstes lesen kannst
- So hörst du mit dem Dampfen auf: eine Schritt-für-Schritt-Anleitung – Bereit, den Angstkreislauf zu durchbrechen? Fang mit einem praktischen Plan zum Aufhören an.
- Zeitstrahl der Entzugserscheinungen beim Dampfen – Wisse genau, was dich Tag für Tag erwartet, damit dich die Entzugsangst nicht überrumpelt.
- Zeitstrahl der Erholung nach dem Dampfen – Verfolge, wie sich Körper und Gehirn nach dem Aufhören erholen, auch wann sich die Angst normalisiert.